Jeder 4. Lehrling schmeißt seine Ausbildung vorzeitig hin …


Von:  LIV Nordrhein / Guido Gormanns / 05.04.2018 / 15:27 / 170 Tag(e)


…eine Meldung, die gerade in vielen Medien die Runde macht und aufhorchen lässt. Auslöser ist der aktuelle Berufsbildungsbericht des Bundesbildungsministeriums.


…eine Meldung, die gerade in vielen Medien die Runde macht und aufhorchen lässt. Auslöser ist der aktuelle Berufsbildungsbericht des Bundesbildungsministeriums. Besonders hoch sind die Abbruchquoten bei Köchen und Friseuren. Hier wirft fast jeder zweite Auszubildende die Brocken vorzeitig hin.

Doch Vorsicht bei der Interpretation dieser Zahlen: In die Abbrecherquoten fließen natürlich solche Auszubildenden ein, die ihre Ausbildung komplett aufgeben. Enthalten sind aber auch Auszubildende, die zwar ihren Ausbildungsvertrag vorzeitig lösen, ihre Ausbildung aber bei einem anderen Betrieb fortsetzen. Nicht jeder Abbruch bedeutet also automatisch einen Ausstieg aus dem Ausbildungsberuf.

Nichtsdestotrotz hat der DBG schnell die Ursachen für dieses Phänomen ausgemacht. Die DGB-Vizechefin ließ verlautbaren, dass dort, wo die Vergütungen besonders niedrig sind, die Abbrecherquoten extrem hoch seien. Viele stiegen vorzeitig aus, da sie mit der kargen Ausbildungsvergütung nicht über die Runden kämen. Der DGB nimmt dies zum Anlass, die Bundesregierung aufzufordern, eine Mindestvergütung für Azubis gesetzlich zu verankern. Die simple Gleichung des DGB lautet also:

Niedrige Ausbildungsvergütung = geringe Zufriedenheit der Auszubildenden = hohe Abbruchquote.

Doch ist diese ach so simple Formel auch stichhaltig?

Dazu sollte man sich auch einmal die Abbrecherquoten in Berufen anschauen, in denen die Azubis mit einer Durchschnittsvergütung von rund € 1.090,00 zu den „Spitzenverdienern“ zählen. Bei den Beton- und Stahlbetonbauern liegt die Lösungsquote bei 30,5 Prozent, bei den Maurern bei 28,2 Prozent, bei den Stuckateuren bei 32,0 Prozent, beim Oberflächenbeschichter bei 26,5 Prozent und beim Straßenbauer bei 25,4 Prozent. Über-durchschnittliche Abbrecherquoten trotz hoher Ausbildungsvergütungen. Auch die angehenden Bankkaufleute beziehen mit durchschnittlich € 1.019,00 eine vergleichweise hohe Ausbildungsvergütung. Die Lösungsquote liegt hier aber gerade mal bei 8,0 Prozent.
Diese Beispiele zeigen, dass zwischen Höhe der Ausbildungsvergütung und Zahl der Abbrüche kein unmittelbarer und zwingender Zusammenhang besteht.

Die Hintergründe für Ausbildungsabbrüche dürften weitaus vielschichtiger sein. Das soziologische Forschungsinstitut Göttingen hat 2016 eine Studie zu den Ursachen für vorzeitige Ausbildungsabbrüche herausgegeben. Die Soziologen befragten dazu systematisch Ausbildungsbegleiter, also externe Vermittler, die die Jugendlichen und Betriebe beraten. Dabei setzte man bewusst auf die unparteiische Sicht der außenstehenden Experten. Die Soziologen identifizierten dabei drei Hauptursachen für Ausbildungsabbrüche. Hauptgrund sind Konflikte, die durch mangelnde oder misslungene Kommunikation zwischen Lehrling und Betrieb verstärkt werden. Unzureichende Gesprächskultur im Betrieb, keine klaren Ansprechpartner, mit denen regelmäßig Anleitungs- und Feedbackgespräche geführt werden sind dabei entscheidende Aspekte.

Ein weiterer Problemkreis scheint gerade auf Handwerksbetriebe zuzutreffen. Insbesondere Klein- und Kleinstbetriebe verfügen zwangsläufig über geringe personelle Ressourcen, so dass die Ausbildung direkt vom Chef organisiert und zudem unmittelbar in die betrieblichen Arbeitsabläufe integriert werden muss. Der Betrieb wird vom Lehrling zumeist nicht als Lernort, sondern vorrangig als Arbeitsort wahrgenommen. Erschwerend kommt aus Sicht der Soziologen hinzu, dass in kleinen Betrieben der Ausbilder vielfach zugleich der Betriebsleiter ist, wodurch die Auszubildenden gehemmt werden, gefühlte Konfliktsituationen offen und deutlich anzusprechen.

Die dritte Ursache ist bei den Auszubildenden selber auszumachen. In einer gerne als „schwieriges Alter“ bezeichneten Phase sehen sich Jugendliche mit einer großen Umstellung konfrontiert. Als junger Erwachsener und Arbeitnehmer vollzieht sich eine komplexe Rollenfindung. Mit neuen Verhaltensanforderungen fühlt sich mancher allein gelassen und überfordert und tut sich folglich schwer mit der Rollenfindung.

Angesichts dieser Befundlage dürften Mindestvergütungen für Auszubildende kaum ein entscheidender Lösungsansatz für die Zukunft sein.



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